Nach Sofia und Bergamo führte mich mein nächstes Blind Booking in die österreichische Hauptstadt. Anreise am 1. Januar abends, Rückreise bereits am 3. Januar morgens – gerade mal ein voller Tag für Wien. Vorweg: Das ist viel zu wenig für diese faszinierende Stadt.

Anreise – Zwischen Routine und Reibereien

Die Anreise nach Düsseldorf verlief zunächst reibungslos. Vom EUREF-Campus aus mit der Skytrain zum Terminal, dann zur Sicherheitskontrolle. Dort wurde ich zur Kontrolle 4 durchgewunken – leider mit den alten Scannern. Also musste ich doch alle Technik und Flüssigkeiten auspacken, obwohl ich extra für die modernen Scanner gepackt hatte. Beide Wannen wanderten zur Nachkontrolle, und als ich versuchte, meine Sachen zusammenzupacken, forderten mich die Mitarbeiter lautstark auf, erst zum Packtisch zu gehen. Die gute Reiselaune? Dahin.

In Wien angekommen lief alles deutlich entspannter. Mit dem bereits in Düsseldorf gelösten CAT-Ticket ging es vom Flughafen direkt nach Wien-Mitte. Das Anschlussticket für die Wiener Linien hatte ich praktischerweise schon im CAT-Zug gebucht. Vom Volkstheater waren es nur zehn Minuten Fußweg bis zum 25hours Hotel im Museumsquartier.

Da es bereits 21 Uhr war, aß ich im Hotelrestaurant Ribelli und schaute mir anschließend noch kurz die Rooftop-Bar „dachboden“ an. Danach hieß es früh ins Bett – der nächste Tag sollte vollgepackt werden.

Wien im Schnelldurchlauf

Kurz nach acht Uhr war ich bereits unterwegs. Vom Museumsquartier spazierte ich durch das morgendliche Wien: vorbei am imposanten Justizpalast, dem Naturhistorischen Museum, über den weitläufigen Heldenplatz und die Hofburg bis zur Albertina und Staatsoper. Mein Ziel war die Walfischgasse, direkt gegenüber vom legendären Hotel Sacher – der Startpunkt des Big Bus Wien.

Mit dem Big Bus durch Wien

Auch in Wien nutzte ich den Hop-on-Hop-off-Bus, um in kurzer Zeit möglichst viel zu sehen. Ein kleiner Wermutstropfen: Anders als in anderen Städten fährt der Bus nicht immer direkt an den Sehenswürdigkeiten vorbei. Beim Hundertwasserhaus beispielsweise liegt die Haltestelle einige Straßen entfernt.

UNO-City – Oder auch nicht

In New York hatte ich die Chance auf eine UN-Tour verpasst, das wollte ich in der UNO-City nachholen. Laut Website sollten täglich um 11 und 14 Uhr Führungen ohne Anmeldung stattfinden. Nach der Bustour fuhr ich vom Stephansplatz direkt mit der U1 zum Vienna International Center. Das Besucherzentrum liegt praktischerweise direkt an der oberirdischen U-Bahn-Haltestelle.

Dort standen drei Polizisten unter dem „Visitors“-Schild und musterten mich interessiert. „Zum Besucherzentrum?“ – „Bis 7. Jänner geschlossen.“ Diese Information hätte man auch gerne auf der Website platzieren können. Danke, UNO.

Kulinarische Herausforderungen

Zurück in der Innenstadt suchte ich mir zunächst ein Caféhaus. Fündig wurde ich im „Kleinen Café“ in einer ruhigen Seitenstraße – sehr urig, authentisch und nur mit Barzahlung. Kaffee und Sachertorte waren ausgezeichnet und angemessen bepreist.

Das Frühstück lag bereits fünf Stunden zurück, also wagte ich einen Versuch beim berühmten Figlmüller. Die Antwort kam prompt: Für die nächsten fünf Tage komplett ausgebucht – mittags, nachmittags, abends. Bei mehreren anderen Restaurants meiner Liste das gleiche Bild. Die Lösung? Eine Käsekrainer von einem Stand an der Albertina.

Kunst und Kultur

Gut gestärkt besuchte ich die Albertina und die Albertina Modern. Die impressionistische Sammlung Batliner und die Marina Abramović Retrospektive waren ein absolutes Highlight – mehr dazu im verlinkten Artikel.

Endlich: Wiener Schnitzel

Am Abend bekam ich im „Schnitzel ONE“ endlich mein Original Wiener Schnitzel. Auch wenn es kein traditionelles Gasthaus ist – das Schnitzel war hervorragend und verschwand im Nu. Allerdings musste ich auch hier erst 20 Minuten in der Kälte anstehen.

Nach knapp acht Stunden, einer Bustour, mehreren U-Bahn-Fahrten und gut neun Kilometern zu Fuß durch Wien fiel ich erschöpft aber zufrieden ins Hotelbett. Das frühe Boarding am nächsten Morgen erforderte ausreichend Schlaf.

Die chaotische Rückreise

Um zwei Uhr nachts weckte mich der Benachrichtigungston von Flighty: Flug gecancelt. Bei Eurowings eingeloggt, wurden mir nur Flüge ab Montag angezeigt. Die Hotline war laut Website erst ab 6 Uhr erreichbar. Ein Anruf bei der Miles & More-Hotline half nicht weiter – ohne Lufthansa-Buchungscode keine Umbuchung möglich. Nach 25 Minuten Wartezeit und weiterer Odyssee erreichte ich um halb vier endlich die Eurowings-Hotline.

Statt des erhofften Austrian-Flugs am Mittag musste ich bereits um 7 Uhr abfliegen. Also schnell duschen, packen und kurz vor fünf vor dem Hotel auf das Uber warten. Der erste Fahrer kurvte kreuz und quer durch Wien, legte nach meinem Anruf auf und stornierte die Fahrt. Drei weitere Fahrer stornierten ebenfalls. Bei minus Temperaturen stand ich draußen – die dicke Jacke im Koffer verstaut.

Endlich kam ein Fahrer, der mir erklärte, dass Uber 50 Prozent bei Flughafenfahrten einbehält und deshalb kaum ein Fahrer diese Touren annimmt. Wir stornierten die Uber-Fahrt gemeinsam, und ich zahlte direkt.

Routing-Marathon

Der ursprüngliche Direktflug (Abflug 9:35 Uhr, Ankunft 11:10 Uhr in Düsseldorf) wurde zu einer Dreifach-Verbindung: Wien – Stuttgart – Frankfurt – Düsseldorf. Aufgrund voller Flugzeuge und Boarding-Gruppe 5 gab ich meinen Trolley auf.

Nach schneller Security-Kontrolle noch ein Frühstück in der Lounge, dann der Flug nach Stuttgart. Ankunft 8:25 Uhr, weiter ging es um 10:30 Uhr nach Frankfurt – theoretisch. Auf Flightradar sah ich um 10:20 Uhr, dass mein Flieger noch in Frankfurt auf der Rollbahn stand. Boarding verschoben auf 11:00 Uhr. Meine 35 Minuten Umsteigezeit in Frankfurt schrumpften bedrohlich.

Um 10:55 Uhr dockte der Flieger in Stuttgart an, um 12:20 Uhr in Frankfurt an Gate A65. Parallel startete das Boarding nach Düsseldorf an Gate B08. Nach einem Sprint, der mein Schrittziel für den Tag erfüllte, erreichte ich das Gate zwölf Minuten später. Wie ich das geschafft habe, weiß ich bis heute nicht. Glücklicherweise hatte ich kein Handgepäck dabei.

Als kleines Trostpflaster gab es ein Upgrade in die Business – vermutlich, weil das System davon ausging, dass ich den Flug ohnehin verpasse. Um 14:30 Uhr landete ich endlich in Düsseldorf. Mein Gepäck natürlich nicht.

Mein Fazit

Obwohl An- und Rückreise viel Raum in diesem Bericht einnehmen – besonders die abenteuerliche Heimreise –, war Wien selbst alles andere als uninteressant. Im Gegenteil: Die Stadt hat mir große Lust gemacht, wiederzukommen und mehr Zeit mitzubringen. Ich konnte mir einen wunderbaren ersten Eindruck verschaffen und weiß nun, worauf ich mich beim nächsten Besuch konzentrieren möchte. Die Marina Abramović Ausstellung war dabei ein großartiges Extra, das die Kurzreise perfekt abgerundet hat.