Ein Kurztrip an die Côte d’Azur — ungeplant, unvorbereitet und trotzdem fast perfekt

Manchmal sind die besten Reisen die, bei denen man das Ziel erst beim Einsteigen kennt. Lufthansa bietet neben Eurowings ebenfalls ein Blindbooking an — allerdings nur ab Frankfurt und München, dafür aber auch in der Business Class, und das schon für einen überschaubaren Preis. Während eines Kurztrips nach Dubai hatten wir spontan beschlossen, das einfach mal auszuprobieren, und buchten aus Dubai heraus ein Blindbooking ab München. Das Ergebnis: ein Kurztrip nach Nizza, Anfang März.
Der Start war allerdings gleich etwas holprig. Einer unserer Kollegen saß aufgrund des Iran-Kriegs in Dubai fest und konnte nicht ausreisen. Aus der geplanten Dreiergruppe wurde eine Zweiertour — was sich im Nachhinein als absolut kein Problem herausstellte, denn Nizza ist zu zweit genauso schön.
Ankunft und erste Eindrücke
Wir trafen uns in München in der Lounge, flogen freitagsabends nach Nizza und nahmen vom Flughafen ein Uber ins Novotel — eine Fahrt von etwa 20 Minuten quer durch die Stadt. Schon dieser erste nächtliche Blick durch die Autoscheibe machte Lust auf mehr: Nizza leuchtet auch im März.
Das Novotel Nice Centre Vieux Nice liegt zentral und ist gut erreichbar — ein solider Ausgangspunkt für die Stadt. Die Zimmer sind in Ordnung, mehr aber auch nicht. Die größte Überraschung entdeckten wir erst am Abreisetag: ein Rooftop-Pool. Zu spät, um ihn noch zu nutzen, und ob er überhaupt in Betrieb war, blieb unklar. Etwas enttäuschend: Obwohl die Rezeption rund um die Uhr besetzt ist, gibt es weder Snacks noch Getränke zu kaufen, und die Hotelbar schließt in der Vorsaison bereits vor Mitternacht. Wer abends noch etwas braucht, findet die Lösung buchstäblich nebenan — das NH Hotel, dem Novotel baulich wie gespiegelt ähnlich, hält auch zu später Stunde noch Snacks bereit.



Die Promenade des Anglais — ein Spaziergang ohne Ende
Am Samstagmorgen starteten wir mit einem Kaffee um die Ecke und machten uns dann auf den Weg zur Strandpromenade. Was als kurzer Morgenspaziergang geplant war, wurde zu einem mehrstündigen Flanieren. Die Promenade des Anglais ist schlicht gemacht dafür: breit, gut ausgebaut, mit dem Meer auf der einen und einer Reihe prächtiger Belle-Époque-Fassaden auf der anderen Seite. Die Häuser leuchten in warmem Ocker, verblasstem Gelb und zartem Rosa — eine Farbpalette, die man eher in Italien vermuten würde als in Frankreich, was historisch auch seinen Grund hat: Nizza gehörte bis 1860 zum Königreich Sardinien.
Zwischendurch bogen wir immer wieder kurz in die Altstadt ab, die Vieille Ville, mit ihren engen Gassen, den barocken Kirchen und den bunten Markthallen. Der Cours Saleya, Nizzas bekanntester Marktplatz, ist an einem Samstagvormittag ein lebendiges Durcheinander aus Blumen, Gemüse und Touristen — und absolut sehenswert. Wer auf Inliner oder Radfahrer allergisch reagiert: Die Promenade ist erstaunlich angenehm zu Fuß, auch wenn ein paar übermotivierte Jogger die Vorfahrt gelegentlich großzügig auslegen.














Der ungeplante Abend: Meeresfrüchte statt Moules frites
Samstagabends wollten wir eigentlich nur entspannt Moules frites essen — Miesmuscheln mit Pommes, das Standardgericht der Region, günstig und gut. Stattdessen landeten wir in der Brasserie Le Gambetta, die sich als echter Geheimtipp der Einheimischen entpuppte. Edel, ruhig, ohne Touristenrabatt auf die Qualität. Die Entscheidung fiel schnell: die große Meeresfrüchteplatte für zwei. Austern, Langusten, Schnecken, alles frisch, alles gut, dazu eine Flasche Crémant. Ein Abend, der unsere ursprünglichen Pläne bei weitem übertroffen hat — auch wenn die Moules frites ihren Auftritt noch bekommen sollten.

Sonntag: Park, Kunst und doch noch Moules frites
Am Sonntagmorgen erkundeten wir die Umgebung des Hotels, und die hatte eine Überraschung parat: der Paillon, ein großzügig angelegter Stadtpark, der sich als grünes Band durch das Zentrum zieht. Das Konzept erinnert stark an Valencia — auch hier wurde ein ehemaliges Flussbett trockengelegt und in eine Parklandschaft umgewandelt. Brunnen, Rasenflächen, Spielplätze und schattige Wege auf einer Länge von fast einem Kilometer mitten in der Innenstadt. Ein erstaunlich ruhiger Ort für eine Stadt dieser Größe. Am nördlichen Ende des Parks liegt das MAMAC, das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, das mit seiner markanten kubischen Architektur aus den späten 1980er-Jahren selbst schon eine Sehenswürdigkeit ist.
Mittags gab es dann endlich die Moules frites im Le Café de Turin — und danach war es auch schon Zeit für den Rückflug nach München.

Rückreise und Fazit
In München checkten wir noch im Novotel am Flughafen ein, fünf Minuten mit dem Bus, am Ende der Landebahn gelegen. Die Executive Lounge ist charmant klein — drei zusammengelegte Zimmer, langer Schlauch, aber gemütlich. Da wir spät ankamen und am nächsten Morgen die Arbeit rief, war der Aufenthalt dort ohnehin nur zum Schlafen.



Nizza ist ein lohnenswertes Reiseziel, auch und gerade für ein Wochenende. Die Stadt hat alles, was man für einen gelungenen Kurztrip braucht: eine großartige Promenade, eine lebendige Altstadt, Architektur mit Charakter, einen echten innerstädtischen Park — und eine Küche, die selbst spontane Restaurantentscheidungen zu Erlebnissen machen kann. Sollte man machen. Definitiv.
Praktisch
Das Blindbooking-Angebot von Lufthansa gilt ab Frankfurt und München, Business Class inklusive. Wer sich auf die Überraschung einlässt, braucht nur einen freien Wochenendrahmen — den Rest erledigt Nizza von selbst.