Nach dem ganzen Umzugsgewiggel der letzten Wochen wollte ich mir mal was gönnen. Da ich bisher nur einmal für einen halben Tag in der Stadt war und der Louvre selbstverständlich auf meiner Bucket-List stand, sollte es nach Paris gehen. Ein Kurztrip für die Highlights halt.

Mit dem Thalys nach Paris

Thalys im Bahnhof DuisburgOk, Paris also. Wie anreisen? Fliegt man bis CDG (einem der schlimmsten Flughäfen überhaupt) muss man erst noch ewig in die Pariser Innenstadt fahren. Die einfachste Art nach Paris zu kommen ist daher sicherlich per Zug. Von Duisburg fährt der Thalys knapp vier Stunden direkt bis zum Gare du Nord. Auch wenn man den roten Thalys-Zügen im Inneren ihre Abnutzung schon ansieht, ist es ein echt angenehmes Reisen. Halt wird nur in Köln, Aachen, Lüttich und Brüssel gemacht. Wenn man zudem rechtzeitig bucht, ist auch die erste Klasse erschwinglich. Das WLAN ist stabil, die Getränkeversorgung ebenso und der rote Blitz zeigt eindrucksvoll, warum der TGV das Rückgrat des französischen Fernverkehrs ist. Man kann sogar im Thalys ein Taxi buchen, wo der Fahrer einen dann direkt am Bahnsteig abholt. Aber Taxifahren in Paris entspricht finanziell einem soliden Raubüberfall. Abholdienst und Fahrt zum Hotel lagen bei EUR 25 – zum Vergleich: ein uber auf dem Rückweg hat mich EUR 9 gekostet.

Mercure Hotel Paris Opéra Louvre

Quartier bezog ich knapp 15 Minuten Fußweg vom Louvre entfernt im Mercure Hotel Paris Opéra Louvre. Sehr zentral gelegen und damit ein idealer Ausgangspunkt.

Freitag: Sightseeing in Höchstgeschwindigkeit

Es war kurz nach eins, als ich mein Zimmer bezogen hatte. Das Wetter war top, also hatte ich auch schon ein erstes Ziel: das Wahrzeichen schlechthin:

EiffelturmEiffeltum

In Paris hat man irgendwie immer wieder den Eindruck, dass die Architektur im 19. Jahrhundert stehen geblieben ist. Das liegt mit Sicherheit auch insbesondere daran, dass es bis auf einen hässlichen Monolithen namens Tour Montparnasse kein wirkliches Hochhaus in Zentralparis gibt. Die sind alle schön in ein eigenes Viertel namens La Defense ausgelagert worden. Das führt dazu, dass der Eiffelturm die gesamte Innenstadt weit überragt.

Vor den Aufstieg haben die Franzosen aber das Schlangestehen gesetzt. Insgesamt musste ich siebenmal anstehen:

Nachdem ich endlich oben war, konnte ich aber auch eine echt schöne Aussicht genießen. Klassische Bebauung, soweit das Auge reicht. Dazwischen der Arc de Triomphe und die Seine, die sich durch die Stadt schlängelt. In einiger Entfernung Sacré-Cœur de Montmartre. Und leider auch die städtebauliche Hässlichkeit Tour Montparnasse.

Selbstverständlich gibt es oben auf dem Eiffelturm eine Champagnerbar. Klingt mondäner, als es ist. Das edle Getränk (13 Euro für ein 0,1 Plastikkelch) und der Kellner/Kioskverkäufer im schwarzen Anzug konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Prinzip ein Kiosk mit genau zwei Produkten (zwei Sorten Champagner) ist. Aber man darf sich auch mal was gönnen.

Inklusive aller Wartezeiten habe ich gut drei Stunden am Eiffelturm verbracht. Sofern man nicht in einem der Restaurants da speisen möchte, sollte das auch ausreichen.

Notre Dame

Notre DameEinen sehr kurzen Abstecher habe ich bei der Kathedrale Notre Dame gemacht und mir diese tatsächlich nur von aussen angesehen; den Innenraum habe ich mir gespart, da kurz vor mir ein paar Reisebusse ihre Gruppen entließen und diese schnurstracks zum Eingang strömten. Dann hätte man drinnen eh keine Ruhe gehabt.

Montmartre

Sacré-Cœur de MontmartreAlso ging es weiter zum Montmatre, der höchsten natürlichen Erhebung von Paris. Auf dem Weg von der Metro zur Basis des Hügels muss man durch eine Straße, wo sich ein Souveniershop an den nächsten anschließt. Dazu gibt es sehr viele Hütchenspieler. Dass dieser Beruf durchaus mit Risiken verbunden ist, konnte ich sehen, als ein amerikanischer Tourist dem Kerl, der ihn just geneppt hatte, frustriert am Kragen packte und ihm solide einen auf die Zwölf gab.

Da an der Standseilbahn „Funiculaire de Montmartre“ eine recht lange Schlange stand, nahm ich die berühmten Treppen. Berüchtigt könnte man auch sagen. Es ist doch schon ein gutes Stück, bis man oben ist. Dafür wird man abends mit einem echt guten Blick über die Lichter von Paris und den beleuchteten Eiffelturm belohnt.

Triumphbogen

Zum Abschluss des Hochgeschwindigkeits-Sightseeings bin ich dann noch zum Arc de Triomphe gefahren. Aber auch hier reichte mir ein Anblick auf Distanz. Alles in allem etwas protzig der Klotz. Aber wer’s mag…

Samstag: Kunst, Fondue und Deathpunk

Für den Samstag hatte ich mir das ganz große Kunstprogramm vorgenommen: Louvre und Musée d’Orsay direkt nach einander. Danach war ich aber auch erschlagen. Zudem hatte ich Hunger. Ein Restaurant in Hotelnähe lockte mich mit dem „Fondue – Raclette“-Schild.

Fondue Fromage - Le Marivaux ParisDer Blick auf die Karte im Le Marivaux zeigte ganz klar deren Spezialität: alles, was irgendwie mit geschmolzenem Käse zu tun hatte… Da ich bis auf ein kleines Croissant noch nichts im Magen hatte, musste ich zuschlagen und entschied mich für das Käsefondue; also geschmolzener Käse, Brot und Variationen von Schinken. Dazu Kartoffeln. Opulent ist wohl das Adjektiv der Wahl.

Kurz vor 17 Uhr komme ich ins Hotelzimmer und falle auf mein Bett. Vier Stunden später werde ich wach. Ok, das war wohl nötig nach sechs Stunden Kunst und gefühlt einem Pfund geschmolzenen Käse.

Zeit für Deathpunk Tourism

Es ist neun Uhr abends in Paris und ich bin wieder topfit. Zeit, die Turbojugend Paris zu kontaktieren. Ich wollte gerade Kontakt über deren Facebook-Seite aufnehmen, da sehe ich, dass ihre Stammkneipe gerade mal 20 Minuten per Metro entfernt ist. Nah genug für einen spontanen Besuch. Also Kutte an und nix wie hin.

Dort angekommen treffe ich tatsächlich drei Jungs der TJ Paris, TJ T.N.A und TJ Marseille. Den Rest kann man sich denken: Bier, Schnaps und lauthals Journey grölen. Fünf Stunden später liege ich wieder im Bett…

Sonntag: auf ein Bier mit Jim Morrison

Grave of Jim Morrison (The Doors)Nachdem ich erstmal gut ausgeschlafen hatte, machte ich mich auf den Weg zum Friedhof Pere Lachere… dort liegt nicht nur Edith Piaf, sondern auch James Douglas „Jim“ Morrison. In einem Supermarkt um die Ecke hatte ich noch ein Bier erstanden, so dass ich ganz entspannt am Zaun vor dem Grab auf ihn anstoßen konnte – eher neidisch angegrinst als vorwurfsvoll angestarrt von zwei Alt-Hippies.

Shopping-Wahnsinn im Lafayette

Da mein Zug zurück erst im Nachmittag ging, wollte ich mir die Zeit noch ein wenig im Kaufhaus Lafayette vertreiben. Eine blöde Idee. Horden von Asiaten und Amerikanern warfen dort mit Geld nur so um sich und kauften gefühlt jeden überflüssigen und überteuerten Designerkram. Um nicht in einem ersten Impuls alle zusammenzuschreien, nahm ich mir ebenfalls ein T-Shirt. Hey, das ist aus Paris, ich bin nun „en vogue“ oder wie das heißt…

Käse schließt den Magen

Le Marivaux - Cheese and HamZeit noch etwas zu Essen, bevor die Rückfahrt ansteht. Im Le Marivaux erkannte mich der Kellner direkt wieder; dieses mal wählte ich aber ein bereits zubereitetes Gericht. Letzten Endes waren es Kartoffeln mit zweierlei Schinken und Raclettekäse in einer Käsesauce mit Käse überbacken. Außerdem war Käse dran…

Ab nach Hause

Gare du NordZurück im Hotel musste ich mir nur noch meinen Koffer schnappen, gepackt hatte ich wohlweißlich am morgen schon. Dieses Mal nahm ich ein uber zum Bahnhof. Da ich aber immer noch etwas früher dran war, ging ich noch für zwei O-Saft in die Thalys-Lounge, die ich Dank Google Maps in einem Gebäude links neben dem Bahnhof gefunden habe. Die „Bahnhofsinfos“ in der Thalys-App waren da keine große Hilfe…

Schlange vor dem Thalys am Gare du NordAbfahrt war um 17:55 – um kurz nach halb stand ich in der ewig langen Schlange vor der Sicherheitskontrolle. Denn die gibt es im Anschlagsgebeutelten Paris bei den Zügen. Also Koffer und Jacke aufs Band und ab durch den Scanner. Dann weiter auf den Bahnsteig. Moment mal, ist das der falsche Zug? Amsterdam? Nee, Doppeltraktion bis Brüssel und dann Flügelung.

Der freundliche Schaffner an meinem Waggon scannt mein Ticket und schickt mich mit meinem Koffer erst mal zu einem anderen Eingang, da die großen Staufächer bereits voll sind. Mit viel hin und her bekomme ich meinen Koffer verstaut und falle auf meinen Platz. Vier entspannte Stunden später bin ich bereits wieder in Duisburg.

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